OTTOSONIC MOTÖR

OTTOSONIC MOTOER_1Silvia Sauer – Stimme, Electronics
Rüdiger Blank – Laptop
Jörg Fischer – Schlagzeug
Cornelius Veit – Gitarre, Electronics

Ottosonic Motör versammelt vier kreative Köpfe aus dem Forum Freie Musik Karlsruhe (FFMK) und der Wiesbadener Kooperative New Jazz (ARTist). Eine erste Idee zum Bandnamen war „irgendwas mit Motorschaden“. Das hätte als Metapher für einige charakteristische Züge des Quartetts recht gut funktioniert: Elektronik und viele Kabel, Garage, vorwärtstreibende Energie, Wiederholungen, Knarzen, Quietschen und Scheppern, Stocken, schliesslich auch Langsamkeit, Innehalten und Prüfen, fast Stillstand. Nur eben nicht mit einem Motör-Gefährt, sondern frei-improvisatorisch, irgenwo zwischen abstraktem Song, splittrigem Noise, Reduktionismus, free-punkiger Attitüde und Musique concrète.

Hier die Kritik zum Konzert am 19. August 2016 bei der Saarbrücker Sommermusik:
Dada, Fortissimo, Science-Fiction
Zungenschnalzen, Atemgeräusche, Kiekser – und das war nur die vokale Seite des Konzerts des Improvisations-Quartetts „Ottosonic Motör“. Ein guter Abend bei der Saarbrücker Sommermusik.
Saarbrücken. „Ottosonic Motör“– so nennen sich vier Aktivisten des Forums Freie Musik Karlsruhe (FFMK) und der Wiesbadener Kooperative New Jazz (ARTist). Gedanken an einen Motorschaden, die bei der Namensfindung des Improvisations-Quartetts eine Rolle spielten, drängten sich bei der Konzertperformance am Freitag im Rahmen der Saarbrücker Sommermusik nur punktuell auf. Stattdessen gab es im Kleinen Theater im Rathaus spannende Musik. Passend zum aktuellen vokalen Sommermusik-Schwerpunkt stand die Stimmkünstlerin Silvia Sauer (auch Elektronik) im Zentrum. Ob Zungenschnalzen, Atemgeräusche, Kiekser, ersticktes Kichern, karikierendes Parlando oder ein dadaistisch musikalisierter Sprachrhythmus – Sauer gab als vitale Meisterin der Nuancen und Zwischentöne die Gangart vor: Hier war ein agiles und sensibel kooperierendes Ensemble zu erleben.
Ungewöhnlich war für einen EGitarristen im Experimentalsektor, dass Cornelius Veit auf rabiate soundtechnische Verfremdungen verzichtete: Melodische Floskeln und Gesten perlten meist in klarem Ton aus seinem Verstärker. Mit Rüdiger Blank komponierte ein Feinzeichner par excellence am Laptop ebenso unaufdringliche wie geheimnisvolle Klänge und Geräusche, die nicht selten einem betagten Science-Fiction-Soundtrack entsprungen schienen. Kein Wunder, dass auch Schlagzeuger Jörg Fischer, Sommermusik-Stammgast und wenn nötig ein perkussives Ein-Mann-Orchester, in seiner Funktion als Dreh- und Angelpunkt mit weit geöffneten Lauschern auf fragile Transparenz bedacht war. Und so funktionierte hier ein ebenso überraschendes wie schlüssiges Ineinandergreifen; auch an Power herrschte kein Mangel: Als dynamischen Höhepunkt ihrer einstündigen Dauerimprovisation erspielten „Ottosonic Motör“ein donnerndes Fortissimo – da stampften kurz sogar Takte eines in diesem Kontext fast banalen Rockbeats vorbei.
Von Stefan Uhrmacher, Saarbrücker Zeitung am 22.08.16